Thüringer Strategen

Hannover 18. Juni 2011
 
"Es herrschte Krieg bei Familie Pausch" (zitiert aus einem ca. zehn Jahre alten Stratego-Zeitungsartikel, den der Gastgeber Eberhard Pausch einem Thüringer Strategen am Vorabend des Turniers zeigte.
 
Am 18.06.11 herrschte nicht nur Krieg bei Familie Pausch - neben Hamburgern, Niedersachsen (natürlich), verirrten Hauptstädtern und übermotivierten NRWlern waren auch trickreiche Tschechen, träge Thüringer und sogar zwei Holländer mit Wohnwagen in die Konflikte verwickelt. Bei diesen Konflikten ging es - wie immer - um so wichtige Dinge wie Ehre, Pokale, Werbeverträge in fünfstelliger Höhe und - am wichtigsten: Kleier-Weltranglisten-ELO-punkte.
 
Sogar eine Ehefrau spielte beinahe mit
 
Familie Pausch hatte drei Recken in die Schlacht geschickt: Eberhard Pausch, Marion Pausch und einen der gemeinsamen Söhne, Ansgar Pausch. (Marion hatte jedoch von irgendwoher das geflügelte Wort vernommen "Frauen spielen nicht - Frauen siegen" und ihre eigentlich sichere Teilnahme doch noch abgesagt - schade!    ;-)
 
Doch der Reihe nach. Zunächst einmal wollen wir das Teilnehmerfeld beleuchten; gemäß alter Väter Sitte werden auf dem Gruppenbild wieder nur die 16 stärksten Spieler abgebildet. Das Bild entstand vor der finalen sechsten Runde.  Zum Zeitpunkt des Fotos konnten sich Edgar Eichenmüller, Martin Ehrenberger und Eberhard Pausch noch Hoffnungen auf den Turniersieg machen.
 

Dramatische Niederlage und wahrer Sportsgeist
 
In der dritten Runde trug sich gleich zu Beginn der Partie zwischen Dieter Annies und Johnny van Geffen (NL, Weltmeister 1999) folgendes zu:
 
Dieter ermittelt einen Hauptmann, der unter Johnnys Kommando für Oranje kämpft. Dieter macht dem blauen Hauptmann mit einem seiner roten Türmchen den Garaus. Wie üblich nennt Dieter beim Füsilieren der gegnerischen Figur den eigenen Rang: "Major".
Dieter Annies und Johnny van Geffen während der fünfminütigen Aufbauzeit
 
Der angegriffene Johnny verfiel dann wohl in hektisches Figuren hin- und herrochieren - anscheinend hätte der Major sonst die eine oder andere Lusche wegrasieren können.
Im Zuge des Manövrierens hat Johhny dann etwas Ranghöheres von weiter weg einfliegen lassen - einen Oberst von seiner Westfront. Der Oberst attackiert schließlich den Major - und "lass Disch überrrraschen, schnäll kann es geschäin" - der Major ist kein Major. Es ist der Feldmarschall.
 
Da entstand natürlich erstmal ein "Hallo" am Spieltisch - der Schiri wurde gerufen. Eine vertrackte Situation. Den Oberst - fairerweise zurückgeben? "Nein, das ging nicht" erläutert Dieter Annies "wir hatten, nachdem ich 'Major' gesagt hatte, beide schon viele Figuren bewegt... die Spielsituation bis zur falschen Ansage war schon zu weit vorangeschritten."
 
Was sagt denn die Regel zu solch einer vertrackten Situation: "Ganz klar" analysierte später Dieter Krapp (Präsident von Stratego Deutschland): "Du bist als geschlagener Gegner selbst verpflichtet, den Rang der Figur durch Umdrehen des Türmchens zu überprüfen." "Natürlich" erläutert der ranghöchste deutsche Stratege weiter, "natürlich darf man grds. nicht absichtlich beim Schlagen einen falschen Rang nennen." "Aber", fährt Krapp fort, "was ist denn, wenn du den richtigen Rang nennst und dein Gegner versteht es falsch? Dann ist das Gezanke da. Insofern ergibt die Regel Sinn, du bist dafür verantwortlich, dass du den korrekten Rang deines Gegners kennst".
Dieter Annies, der Unglücksrabe, der sich im Eifer des Gefechts versprochen hatte, tat indes das, was von wahrem Fairplay zeugt: Er schob sofort seine Figuren zusammen und gab auf. Trotz dieser Niederlage errang Dieter noch einen Podestplatz: Der Pokal für den dritten Platz steht jetzt neben vielen anderen Pokalen... unter anderem neben dem Pokal für einen 2008 ungeschlagenen Deutschen Meister namens Dieter Annies.
 
Entspannte Holländer schauen zum ersten Mal in die Röhre
Unsere beiden besten und einzigen Holländer sitzen hier ganz entspannt in der Lounge der "Ouzerie".
Möglicherweise zu entspannt: Bei einer Tasse Ouzo vertraute der Buchautor (s. u.) Johnny van Geffen später einem Thüringer Strategen an, sie beide (Wim Sikteoeboen und er, Johnny) seien noch nie ohne einen Turniersieg heimgefahren.
Johnny errang Platz 10, Wim Platz 5.
 
Tschechien gegen Holland
Im Länderkampf Tschechien gegen Holland kommt es in Runde 4 zu einem Remis. Das Remis in Runde 4 bleibt Martins "schlechtestes" Ergebnis - alle anderen Gegner schickt er mit nur einem Punkt vom Feld. "Cin cin" (zitiert nach Hugo Egon Balders berühmter Kultursendung).
 
Gut, jetzt haben wir verraten, dass Martin ungeschlagen blieb: du ahnst es, lieber Internet-Junkie: Martin gewinnt das Turnier. Er scheint ein Serien-Sieger zu werden. First he took Berlin now Hanover. Als nächstes Manhatten?
 
Alle Sieger von links nach rechts:
Ruben Trittin (bester Platz 2 der Junioren), Michael Kurth, (weltbester Neueinsteiger), Eberhard Pausch (bester Niedersachse), Dieter Krapp (zweitbester Platz 2), Dieter Annies (der oberfair erspielte Platz 3), Simon Quinn (konzentriertester Junior, Mama-vom-Brett-Vertreiber und Platz 1 der Junioren), Martin Ehrenberger (der Mann, der "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" geschrieben haben könnte und verdientermaßen zum x-ten Male den ersten Platz machte).
Die Thüringer Strategen gratulieren allen Siegern! Wir bedanken uns bei den Gastgebern und Ausrichtern sowie den Organisatoren des Turniers, nicht zuletzt auch beim "bikewolf", der die schönen Pokale ausgesucht und besorgt hat!
 
 
Die Ergebnisliste (Um auf die Kleier-Original-super-power-special-double-feature--Weltrangliste zu gelangen, einfach die Liste anklicken!)
 
 
 
 
 
 
JvG (Johnny van Geffen) stellte sein Buch vor, welches er nach seinem
Weltmeistertitel (1999) geschrieben hatte.
 
Wer eines der letzten Exemplare erwerben möchte (es kostet 12,-- Euro und ist teilweise in Holländisch / teilweise in Deutsch geschrieben), meldet sich gerne bei den Thüringer Strategen (wir stellen
den Kontakt zu Johnny her).
 
 
Turnierausklang
Wim, Finn, Johnny, Olaf und Yasenya (an der Kamera) genossen einen bunten Abend im "Kreta"
Tragischer Spielverlauf
 
Im Drama überlebt der Held, in der Tragödie geht er unter.
 
Während Feldherr Dieter in Runde drei in einer dramatischen Situation nach falscher Rangnennung aufgegeben hatte (und damit überlebte) metamorphosierte die Runde 4 zur Tragödie - Dieters Armee ging unter, die Fahne wurde vom anderen Dieter, Dieter Krapp, geholt.
 
Man sieht: Rot, Dieter Annies, hat eigentlich eine deutliche Materialhoheit
 
"Und das, nachdem ich ihn schon völlig in der Tasche hatte" grollt Dieter Annies. "Da ist er rechts nochmal losmarschiert und hat mit Glück alles wegrasiert, ohne auf eine Bombe zu laufen, und dann rechts nochmal das selbe..."
 
Tja so geht's. "Ein Spiel dauert 50 Minuten und gewinnen tut der Krapp."
 
"Am Anfang war das Wort Am" (Zitat eines mir entfallenen Wortkünstlers)
 
Jetzt ist unser Bericht mit der Runde 3 in den Brunnen gefallen... Zunächst wurden die Strategen, die ja aus aller Herren Länder angereist waren, gebührend empfangen und begrüßt.
 
Jürgen Winkler (Deutscher Meister 1998) teilte sich mit einem anderen fleißigen Helfer (der nicht genannt werden möchte) die Turnierleitung. Im Bild Jürgen, links und Eberhard Pausch.
 
Immer mehr junge Leute finden zum Spiel
 
Dieter Annies begrüßt hier zwei junge Hamburger, die heute ihr erstes Stratego-Turnier bestreiten wollen. Jens Schreyer (Mitte) und Michael Kurth (rechts) überzeugten durch ein solides Spiel. Dass beide nur jeweils einen Sieg einfahren konnten, lag nach Analyse eines Pressesprechers von Stratego-Deutschland allein an der fehlenden Erfahrung; jeder weiß, dass einen im ersten Turnier schon die Bronstein-Uhr nervös macht.
 
Zwei richtig nette Gesellen; wir hoffen, Ihr habt "Blut geleckt" und seid bei vielen weiteren Turnieren dabei! Eure Partnerinnen werden es Euch danken: Wer Stratego spielt, gibt kein Geld aus, trinkt nicht und sündigt weder in Wort noch Tat.
 
Jüngster Turnierteilnehmer brillierte
Neueinsteiger Michael Kurth kann Simon Quinn nur mit größter Mühe besiegen
Simon Quinn, der jüngste Stratege am heutigen Tage, schlug einen Junior und einen Erwachsenen. Das reichte für den Platz 1 der Junioren und Platz 13 im Gesamtfeld.
 
Ansgar Pausch denkt erfolgreich darüber nach wie er Finn Schulze eine Falle stellen kann.
 
"Wie lange noch?!?"
Eberhard Pausch, 200 ELO-Punkte schwerer als Olaf hat noch 4 Minuten und 12 Sekunden auf der Uhr. Olaf noch 8 Minuten und 24 Sekunden.
"Wie lange noch?" ruft Olaf und will wissen, wann die Hauptspielzeit abläuft. "Noch 7 Minuten" echot es von allen Seiten.
Damit ist klar: Olaf kann nicht mehr verlieren: Stünde Eberhard nach - egal wie vielen Zügen- vor Olafs Fahne, könnte Olaf "intensiv nachdenken" bis die Hauptspielzeit abgelaufen wäre - das wäre ein Remis.
Erfreut bietet Olaf sofort nach der Info, dass er mehr Zeit auf der Bronstein-Uhr hat als nach der Hauptuhr noch zu spielen sind, ein Remis an und Eberhard schlägt sofort ein.
 
Wer war hier zu voreilig und verschenkte einen - zumindest noch theoretisch denkbaren Sieg? Richtig, der Olaf.
Wie sah es nämlich aus? Eberhard führte mit 2 Majoren, dafür waren seine beiden hohen Tiere bekannt. Von Olafs high-society kannte Eberhard hingegen noch nichts.
Wie auch immer: Olaf hätte mit seinem General (und mit allem, was noch laufen konnte) einfach durchpreschen und kamikazemäßig durch Eberhards Reihen pflügen müssen; denn Olaf konnte ja nicht mehr verlieren. Er hätte aber theoretisch noch gewinnen können. Zumal Eberhards Fahne, wie Eberhard später einräumte, nur teilweise eingebombt war.
 
 
Verteidigungsexperte Jörg Dannenbring vs. Simon Quinn
 
Johnny van Geffen vs. Edgar Ede Eichenmüller
 
Eberhard Pausch schickt Alex Eichenmüller mit einem Punkt in die Mittagspause.